Das nächste Spiel ist immer das schwerste

Die Fußball-Abteilung

Der Zusammenschluss der Niendorfer Turnerschaft mit dem TSV Timmendorfer Strand am 3.12.1947 zum „TSV Timmendorfer Strand/Niendorf (Ostsee) 08/23“, so der damalige offizielle Vereinsname, ist zugleich die Geburtsstunde der Fußball-Abteilung. Weil der Name zu lang ist, taucht in den Spieltabellen der Kreis- und später der Bezirksliga als Vereinsname immer nur „TSV Timmendorfer Strand“ oder „TSV Timmendorf“ auf. Schon in den ersten Monaten ihres Bestehens kommt auf die neue Fußball-Abteilung ein Platzproblem zu: Die Gemeinde kündigt den bisherigen Sportplatz am Wasserwerk, weil sie den Platz für den Neubau einer Volksschule benötigt. Es gelingt, unweit davon ein sumpfiges Wiesengelände zu pachten, das in mühevoller Eigenarbeit als Hartplatz aufbereitet und zur Spielsaison 1948/49 eingeweiht wird. Mit dem Aufstellen einer Baracke vom Gelände der ehemaligen Zigarettenfabrik Derwisch in Niendorf neben dem Sportplatz und deren Einrichtung als Sportheim mit Umkleide-, Wasch- und Dusch-Gelegenheit, Gymnastikraum, Aufenthalts- und Geschäftsräume sowie einer Wohnung für den Platzwart im Jahr 1951 werden die äußeren Voraussetzungen für einen geordneten Spielbetrieb weiter verbessert.

Seit dem Bezirksliga-Aufstieg 1949 haben die Trainer, zunächst „Papa“ Sonnenberger und später Janasiak, die Mannschaft durch A-Jugend-Spieler verjüngt und sie in die Spitzenklasse der Bezirksliga geführt. Das Jahr 1954, in dem Deutschland die Fußballweltmeisterschaft gewinnt und eine Nationalmannschaft und ihr Trainer Sepp Herberger zur Legende werden, schenkt auch der Fußballabteilung ein unvergessenes Erfolgserlebnis: Die 1. Mannschaft erringt den Meistertitel der Bezirksliga. Wie sehr Sepp Herberger mit seiner Weisheit „Das nächste Spiel ist immer das schwerste“ recht hat, zeigt sich unmittelbar nach Erringung der Meisterschaft: Das Spiel um den Aufstieg in die Amateurliga geht verloren. Die Spieler selbst jedoch halten die Erinnerung an ihre große Zeit von damals bis heute hoch, treffen sich lange Zeit auch über ihre aktive Spielzeit hinaus in alter Verbundenheit.

Nicht nur die 1. Fußballmannschaft, auch die Jungmannen-Mannschaft kann sich 1954 mit einem Meistertitel schmücken. Sieger der Staffel Süd ist sie bereits, als sie nach Eutin fahren muss, um auf neutralem Boden gegen den Sieger der Staffel Nord aus Neustadt anzutreten. Wie üblich reist die Mannschaft mit dem Linienbus dorthin. Die Neustädter jedoch, sowieso klarer Favorit, kommen mit einem eigenen Sonderbus und großem Anhang. Die Timmendorfer lassen sich einen besonderen Schachzug einfallen: Sie spielen mit Doppelstopper, so wie sie es beim VfB Lübeck gesehen haben. Eine hervorragende Idee, wie sich zeigt, die TSV Jungmannen sind gut drauf und gewinnen locker mit 3:0. Dass man auf den Linienbus nach Hause lange warten muss und erst um 23 Uhr zu Hause ist, macht den frischgebackenen Kreismeistern nichts aus. Zumal einer der ihren, Hans E. Jacob, an diesem Tag auch noch Geburtstag hat. Einen Geburtstag, den er nie vergessen wird. 1955 bekommt der Verein mit der Ostsee-Kampfbahn endlich eine grosszügige Sportplatz-Anlage mit einem Rasenplatz. Eröffnet wird die Anlage mit einem Spiel der 1. Fußballmannschaft gegen die Mannschaft des Eimsbütteler Sportvereins.

Durch eine Reihe von Spielerabgängen geschwächt, lässt sich 1958 der Abstieg der 1. Mannschaft in die A-Kreisklasse nicht vermeiden. Immerhin kann 1959 und in den folgenden zwei Jahren jeweils der Kreispokal gewonnen werden, so dass der Wanderpokal des „Ostholsteinischen Anzeigers“ in den Besitz des Vereins übergeht. Zwar gelingt 1961 der Wiederaufstieg in die Bezirksliga, aber schon im nächsten Jahr folgt der erneute Abstieg. Das Jahr 1971 markiert die Wende zum Guten. Kai Jürgensen, ein Spieler der 1. Mannschaft, übernimmt das Amt des Abteilungsleiters, das er für über 30 Jahre innehaben wird. Die im gleichen Jahr erfolgende Verpflichtung von Harri Paskowski als Trainer erweist sich als absoluter Glücksgriff. Paskowski, ein ausgezeichneter Fußballer, der wegen einer Verletzung seine Profi-Ambitionen aufgeben musste, stoppt als Spielertrainer nicht nur den Abwärtstrend der 1. Mannschaft, er wird mit ihr in der Saison 1972/73 Kreisliga-Meister und schafft so den Aufstieg in die Bezirksliga. Anschließend gewinnt die Mannschaft sowohl den Kreis- als auch den Bezirkspokal. Paskowskis großes Plus ist es, dass er viele gute und herausragende Spieler im Lübecker Raum, ja sogar bis nach Hamburg kennt und einige bewegen kann, nach Timmendorfer Strand zu wechseln. So entsteht eine spielstarke Mannschaft, die in der Saison 1973/74 die Bezirksliga-Meisterschaft erringt und den damit verbundenen Aufstieg in die Landesliga-Süd.

Das Endspiel um den Schleswig-Holstein-Pokal 1974 wird zwar knapp mit 2:3 verloren, aber in der folgenden Saison macht die Mannschaft erneut Furore: Mit Hans Schwichtenberg als neuem Trainer, Harri Paskowski will nur noch als Spieler dabei sein, wird die Mannschaft bei nur einer Niederlage in 30 Spielen Meister der Landesliga-Süd und steigt in die höchste Spielklasse Schleswig-Holsteins auf, die Verbandsliga. Nach Hans Schwichtenberg übernimmt Winfried Schülke als Spielertrainer die Mannschaft. Gleich in seiner zweiten Saison 1978/79 gelingt ihm der große Coup: Der NTSV Strand 08, wie er jetzt offiziell heißt, wird Meister der Verbandsliga Schleswig-Holstein, nachdem die Mannschaft in den ersten 23 Spielen ohne Niederlage gespielt hat.

Da die Verbandsliga damals die höchste Spielklasse in Schleswig-Holstein ist, darf sich der NTSV Strand 08 auch Landesmeister nennen. Es ist der größte Fußball-Erfolg in der Vereinsgeschichte. Bei den Aufstiegsspielen zur Amateur-Oberliga Nord jedoch scheitert die Mannschaft. Als Spielertrainer hat Winfried Schülke an dem Erfolg ganz besonderen Anteil. Schülke, einst Spieler beim VfB Lübeck und Profi in der Schweiz und beim 1. FC Nürnberg, weiß auf dem Spielfeld wie auch außerhalb seine Mannschaft zu führen, gibt immer wieder die entscheidenden Impulse. Eine starke Persönlichkeit, die die Mannschaft geprägt hat. Er und Fußballabteilungsleiter Kai Jürgensen bilden in der Fußballabteilung für lange Jahre so etwas wie ein „Dreamteam“: Jürgensen, der Managertyp, der für reibungslose Abläufe sorgt, der gute Geist. Schülke, der Fussball-Macher, eigenwillig, aber von allen respektiert. Sein plötzlicher Tod im Urlaub in Österreich 1992 ist für die Timmendorfer Fußballer ein Schock. Über Kai Jürgensen sagt Harri Paskowski, wie Jürgensen 1971 nach Timmendorfer Strand gekommen: „Kai war immer da, er ist immer da und gehört ganz einfach dazu.“ Bis 2001 ist das auch so, dann nimmt Jürgensen seinen Abschied. 30 Jahre sind genug, 30 Jahre Fußball, in denen er mit dem NTSV Strand 08 Höhen und Tiefen erlebt hat. Paskowski, dem als Spielertrainer wie später als Spieler genau so Höhen und Tiefen widerfahren sind, hat seinen Abschied aus der 1. Mannschaft bereits viel früher genommen, nämlich 1983. So ganz kann Paskowski aber nicht vom Fußball lassen: Er spielt bis heute in der Altherren-Mannschaft, wie früher in der Sturmspitze, torgefährlich wie eh und je.